cinetastischer Adventskalender: Türchen 22

Die heutige Empfehlung, die sich hinter Türchen #22 versteckt, lässt sich nicht richtig einordnen: sie ist sowohl Film, als auch Serie. Und die heimliche Hauptdarstellerin ist noch nicht mal eine Person, sondern ein Gebäude. Heute entführe ich euch ins Mittelalter, genauer gesagt, ins englische Mittelalter nach Kingsbridge: DIE SÄULEN DER ERDE (2010).

Die Säulen der Erde

von Sergio Mimica-Gezzan

Quelle: youtube.de/Universum Film

„Eine Kathedrale ist Gottes Vorzimmer…“

Das Historiendrama um den Bau einer Kathedrale im englischen Kingsbridge (fiktiv), lässt sich wohl am besten als TV-Mehrteiler/Mini-Serie betiteln. Insgesamt gibt es vier Teile á 90 Minuten Länge. Kern des Films ist die Errichtung eines Sakralbaus – die Nebenstänge und Geschichten der Personen, wie Tom Builder, Jack Jackson, der Thronfolge-Krieg und der Kardinal, werden geschickte miteinander verwoben und laufen am Ende alle wieder zur Kathedrale hin.

In den ersten Folgen wird der Großteil der wichtigsten Personen eingeführt. Die Geschichte spielt im 12. Jahrhundert und fängt mit Tom Builder und seiner Vision einer gewaltigen Kathedrale an. In Philip, dem Prior des Kingsbridger Klosters, findet Tom einen Auftraggeber und Befürworter seines Vorhabens. Im selben Zeitraum herrscht in England eine bitterer Erbfolgekrieg zwischen Stephan von Blois und seiner Cousine Matilda, der Tochter des verstorbenen Königs Heinrich I. von England. Dieser Krieg wird später den Bau der Kathedrale noch enorm beeinflussen. Damit diese aber erstmal begonnen werden kann, müssen sich Tom und Philip die Hilfe von der Grafentochter Aliena holen. Aber ihr Vater, der ehemalige Graf Bartholomäus von Shiring, wurde enteignet, hintergangen und ermordet. Der neue Graf von Shiring stellt sich quer, dem Kloster die nötigen Baustoffe zur Verfügung zu stellen. Zu allem Überfluss gibt es da auch noch den machtsüchtigen Bischof Waleran Bigod – der seine ganz eigenen Pläne verfolgt.

Im zweiten Teil sind die Fundamente der Kathedrale gesetzt. Leider wird durch William Hamleigh, dem Sohn des Grafen von Shiring, der Steinbruch besetzt und die Arbeiten müssen vorerst eingestellt werden. Just zu diesem Zeitpunkt kündigt sich auch noch König Stephan in Kingsbridge an, um der Baustelle einen Besuch abzustatten – dies alles wurde natürlich von Waleran eingefädelt, der den Bau der Kathedrale verachtet. Jack, der Stiefsohn von Tom, verliebt sich  in Aliena – Alfred (dem leibliche Sohn von Tom) gefällt das gar nicht. Philip versucht indes, den König in Lincoln aufzusuchen und um dessen erneute Unterstützung beim Kathedralenbau zu bitten. In Lincoln wird Jack augenscheinlich ermordet.

Im dritten Teil haben alle Beteiligten in Kingsbridge mal wieder mit der Tyrannei von Waleran zu kämpfen. Nur sehr langsam geht der Bau der Kathedrale weiter. Nach mehreren Auseinandersetzungen zwischen Alfred und Jack, muss Jack das Kloster verlassen, kehrt aber wenig später als Mönch zurück. Teile der Baustelle werden zerstört und später stirbt Tom Builder im Kampf mit William Hamleigh. Alfred übernimmt dessen Nachfolge und heiratet Aliena. Doch dann passieren wie immer unerwartet Ereignisse…

Da Jack verschwunden ist, um seinen Vater zu suchen und als ‚Architekt‘ in Frankreich in die Lehrer zu gehen, sucht Aliena verzweifelt nach ihm. Sie holt in zurück nach England, wo der Bau der Kathedrale längste eingestellt wurde. Jack sieht seine Chance und wird der neue Baumeister. Damit mehr Menschen in die Kirche kommen, erschafft Jack eine heilige Madonna aus Holz, die weinen kann. Der Bau zieht sich noch mehr als 20 Jahre hin und erlebt Höhen und Tiefen – genau wie alle anderen Protagonisten.

Behind the Scenes

Der Mehrteiler basiert auf dem Roman The Pillars of the Earth von Ken Follett. Ken Follett selbst suchte Filmschaffende, die seinen Roman detailgetreu verfilmen würden, ohne zu kürzen oder Handlungen zu ändern. Daher umfasst die Geschichte auch knapp sieben Stunden Laufzeit – man kann schon an dieser Stellen sagen, dass die Verfilmung ein Mamutprojekt war, welches allerdings – aus meiner Sicht-  hervorragend umgesetzt wurde. Das Drehbuch schrieb John Pielmeier, der als Mönch Cuthbert auch im Film zu sehen ist. Autor Ken Follett bekam ebenfalls einen kleinen Gastaufrtitt (Teil 4).

Im Sommer 2009 begannen die Dreharbeiten in Ungarn und Österreich. Die fertige Kathedrale, die am Ende vom Film zusehen ist, ist eine visuelle Zusammensetzung der Kathedralen von Wells (Korpus) und von Salisbury (Spitze).

In den USA wurde der Historienepos als 8-teilige-Serie á 42 Minuten ausgestrahlt. In Deutschland entschied man sich für einen TV-Vierteiler.  Die Produktionskosten sollen sich, laut div. Quellen,  auf 40 Millionen US-Dollar belaufen haben.

Sehen oder nicht sehen?

Wer Mittelalterfilme liebt, macht mit Säulen der Erde nichts falsch. Die Geschichte um den Bau der Kathedrale ist mitreißend und spannend. Die Figuren tragen den Film von der ersten bis zur letzten Minute. Die Besetzung wurde fabelhaft ausgewählt – bekannte Gesichter wie Matthew Macfadyen, Eddie Redmayne, Rufus Sewell, Ian McShane, Natalia Wörner oder auch  Donald Sutherland spielen ihre Rollen fantastisch gut und täuschend echt. Natürlich ist es immer schwer einen (hier über 1000 Seiten dicken) Roman ins Medium Film zu übertragen. Es ist keine 1:1 Verfilmung geworden, denn es musste gestrichen und an andere Stelle hinzugefügt werden. Aber wenn selbst Ken Follett vollends damit zufrieden ist, haben die Filmemacher keine schlechte Leistung erbracht. Alle dramaturgischen Änderung wurden schließlich von ihm überwacht und abgesegnet. Man sollte den Film daher als eigenständiges (vom Autor autorisiertes) Filmkunstwerk sehen und nicht zu sehr mit dem Roman vergleichen. Die Story verfolgt einen klassischen Erzählstrang, der sehr ereignisreich und mit ein wenig Tempo ist. Findet man sich einmal in die Geschichte hinein, ist es leicht zu verfolgen wer-mit-wem-und-wieso-weshalb-warum.

Säulen der Erde findet eine gute Balance zwischen mittelalterliche Realität, Fantasie, Action und Drama. Real-existierende Personen wie z.B. Stephan von Blois wurden mit fiktiven Geschichten und Personen bestens verwoben. Das Mittelalter wird unverblümt dargestellt mit sehr viel Blut und Gewalt. Heimliche – und zeitlos schöne – Hauptdarstellerin ist eine Kathedrale. Ihre Geschichte wird uns mit viele Emotionen vermittelt. Es ist ein gelungener Versuch ein literarisches Meisterwerk für das Medium Film zu adaptieren.


Facts about

Originaltitel The Pillars of the Earth
Produktionsland Deutschland, Kanada
Erscheinungsjahr 2010
Regie Sergio Mimica-Gezzan
Drehbuch John Pielmeier
Produktion John Ryan
Folgen 4 (Dtd)
8 (USA)
Länge (pro Folge) etwa 90 Minuten (Dtd.)
etwa 42 Minuten (USA)
FSK 12 (Teil 1+3)
16 (Teil 2+4)
Darsteller (Auswahl) Matthew Macfadyen
Eddie Redmayne
Rufus Sewell
Ian McShane
Hayley Atwell
Natalia Wörner
David Oakes
Sarah Parish
Robert Bathurst
Sam Claflin
Liam Garrigan
Skye Bennett
Tony Curran
Alison Pill
Anatole Taubman
Donald Sutherland
Erstausstrahlung ab 23. Juli 2010 (USA)
ab 14. November 2010 (Dtd.)

 

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