[Filmtipp] Amelie rennt

Am 21. September ist der Kinostart für einen berührenden Jugendfilm von Tobias Wiemann: Amelie rennt.  Regisseur Wiemann schafft es, mit dem Film ein ernstes Thema [Asthma] mit jugendlichem Charme und Witz zu kombinieren, setzt die Geschichte in eine atemberaubende Landschaft und lässt so einen wunderbaren Film über Selbstfindung und Freundschaft entstehen.

Amelie rennt

Ein Film von Tobias Wiemann

Immer Bergauf

Man könnte glauben es ist der Anfang eines Heimatfilms: die Kamera fängt die endlose Weite der Landschaft ein. Berge überall. Der Blick ins Tal. Stille. Idylle. Ein Wanderschuh in Großaufnahme ist zu sehen. Doch dann ein Cut: Berlin. Großstadt. Lärm. Die Kamera folgt einem Mädchen: Amelie (Mia Kasalo). Eigentlich könnte Amelie ein ganz normaler Teenager sein, wäre da nicht ihr Asthma. Das junge willensstarke und selbstbewusste Mädchen lässt sich von niemanden etwas sagen – schon gar nicht von ihren Eltern (Denis Moschitto und Susanne Bormann). Schnell bemerkt das Publikum: Dieses Mädchen hat ihren eigenen Kopf. Nach einem erneuten schweren Asthmaanfall muss der 13-jährige Teenager jedoch widerwillig in eine spezielle Lungenklinik in die Südtiroler Berge. Darauf hat sie definitiv keine Lust, denn Amelie kann sich nicht mit ihrer Krankheit abfinden. Dort angekommen macht sie die Bekanntschaft mit anderen Kinder, die ebenfalls unter Asthma leiden. Sich helfen lassen, will sie nicht. Ihr Stolz und ihre Sturheit stehen im Weg. Schon am ersten Tag flüchtet sie an einen Ort, wo man sie garantiert nicht finden kann: in die Berge. Ihr Plan war einfach: weglaufen. Dabei macht sie zufällig die Bekanntschaft mit dem 15-jährigen Bart (Samuel Girardi), der ihr von einem traditionellen Feuer auf dem Berg erzählt, dass Wunder vollbringen soll. Amelie will unbedingt dahin. Widerwillig bringt Bart sie auf den Berg hoch, ohne von ihrem Asthma zu ahnen. Die anfängliche Distanz zwischen beiden wird – nachdem er ihr das Leben rettet – gebrochen und es entsteht mehr als nur Freundschaft. Doch die Beziehung zwischen beiden geschieht nicht vordergründig und offensichtlich. Das Knistern ist zwar zu bemerken, doch passiert es unterschwellig, still und leise.

(Quelle: youtube.de)

Hauptdarsteller sind diesmal nicht wie üblich die Erwachsenen, sondern die Kinder. Mehr als die Hälfte des Films begleitet das Publikum die beiden Teenager auf ihrem Weg immer Bergauf. Je höher Amelie auf den Berg steigt, desto offensichtlicher ist der Wandel ihrer inneren Einstellung zu bemerken. Langsam Schritt für Schritt: Vom Tal – indem sie stur, unnahbar und zu stolz war, um ihre Krankheit einzusehen – bis hin zum Berggipfel, auf dem der Sinneswandel seinen Höhepunkt fand.

Immer das Ziel vor Augen: Amelie und Bart begeben sich auf eine Bergwanderung der etwas anderen Art (c) Martin Rattini

Gedreht wurde unter anderem an den Reinbach-Wasserfällen bei Sand in Taufers und an der Burgruine Rafenstein oberhalb von Bozen am Eingang zum Sarntal. Die wunderbare Landschaft Südtirols wird zur stillen Hauptakteurin. Doch sie ist nur ein Aspekt von vielen, die diesen Film zu einer ausgezeichneten Jugendkomödie machen. Da wäre zum Beispiel Newcomer Samuel zu nennen, der die Figur Bart verkörpert. Der Südtiroler Naturbursche spielt mit dieser Rolle sein Filmdebüt. „Mit seinen roten, lockigen Haaren, seiner Größe und seinem herzlichen Lachen war er eine echte Erscheinung, aber absolut nicht der Bart, den ich mit vorgestellt hatte. Zum Glück. Denn er war viel mehr als das, er war perfekt für die Rolle.“, sagte Regisseur Tobias Wiemann. Und das merkt man auch im Film. Der junge Schauspieler, der die ganze Zeit in Südtiroler Dialekt redet, spielt natürlich und authentisch, aber nie künstlich seine Rolle. Er liefert sich ein amüsantes Wortduell mit Mia als Amelie. Kein Anzeichen davon, dass er das erste Mal vor der Kamera steht. Authentisch und lebensfroh eben. Für Mia Kasalo hingegen ist es nicht die erste Rolle. Der jungen Schauspielerin gelingt es eine Figur zu verkörpern, die zwischen Sturheit und Lockerheit, Lebenshunger und Todesangst, Härte und Verletzlichkeit balanciert, aber dabei niemals ihr Gesicht verliert. Zusammen schaffen sie es eine Harmonie auf die Leinwand zu bringen und dass obwohl die Figuren augenscheinlich nicht zueinander passen. Denn Bart und Amelie könnten nicht gegensätzlicher sein: Sie ist stur, hängt nur am Smartphone und lebt in der Großstadt und Er denkt als „Herdenmanager“ (wie er sich selbst bezeichnet) nur an seine Kühne, ist geduldig und auf dem Land groß geworden. Beide werfen sich auf ihrem langen Weg nach oben immer wieder Schimpfwörter an den Kopf, die aber mehr lustig als beleidigend sind. Das harmonische Zusammenspiel ist der ausschlaggebende Faktor, der die Bergwanderung kurzweilig und amüsant gestaltet.

Zum Brüllen komisch: Amelies Eltern bei der Simulation einer Asthmasituation (c) Lieblingsfilm/ Martin Schlecht

Neben der Südtiroler Landschaft und den beiden Hauptprotagonisten sind aber es auch Amelies Eltern und ihre Zimmergenossin Steffi, die zum Witz und Charme des Films beitragen. Steffi mit ihrer ziemlich hässlichen selbstgemachten Stoffkatze (aufgrund ihrer Katzenhaarallergie) platz in der Klinik immer zum falschen Moment in Zimmer herein, sagt dabei ihren Satz „Nicht erschrecken, ich bin’s nur – die Steffi“ und bringt die Zuschauer zum Schmunzeln. Und Amelies Eltern sind zum Brüllen komischen, wenn sie in der Klinik mit Nasenklammern eine Asthmasituation simulieren und kläglich dabei scheitern.

Tobias Wiemann gelingt es, mit dem Drehbuch von Natja Brunckhorst, eine Geschichte zu erzählen, die zwischen Tiefgang und Leichtigkeit pendelt. Geortet in einer atemberaubenden Kulisse ist „Amelie rennt“ eine Coming-of-Age-Story, in der die Protagonistin trotz harter Schale all ihre Verletzlichkeit zeigt. Amelie rennt vor allen weg: ihren Eltern, ihrer Krankheit, und vor allem vor sich selbst. Mit dem Gang zum Gipfel des Berges entwickelt sich schließlich nicht nur die Beziehung zwischen zwei Teenagern, sondern auch die Beziehung zwischen Amelie und ihrem Asthma. Mit Authentischen, einfühlsamen, humorvollen, berührenden und ernsten Momenten ist der Film nicht nur ein Film für Kinder.


FACTS ABOUT: Amelie rennt

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