[Culture Mix] Zwischen „Atme dich frei“ und „Blütentraum“

Die Engländer tun es schon lange. Die Chinesen haben es erfunden. Die Japaner nachgemacht und immer mehr Deutsche kommen auf den Geschmack. Die Rede ist vom Teetrinken. Tee ist Beruhigungsmittel, Aufputschmittel oder auch Medizin. Doch immer mehr Menschen fühlen sich im Supermarkt vor den Teeregalen überfordert.


Montagnachmittag. Ich stehe in der Teeabteilung einer bekannten Supermarktkette und werde von der Vielfalt erschlagen. Die Auswahl ist zu groß: marokkanische Minze, türkischer Apfel, Blütentraum, Magenliebe oder doch lieber spanische Fiesta? Die Entscheidung fällt mir schwer. Aber eigentlich möchte ich die alle gar nicht. Ich möchte ‚richtigen‘ Tee. Pfefferminze und Kamille stehen bei mir noch im Teeschrank und auch an Schwarztee mangelt es nicht. Es gibt so viele Sorten – im Beutel, in Kapseln oder auch lose. Während ich hilflos vor den Regalen stehe, muss ich an meinen Aufenthalt in Indien denken. Dort gibt es vor allem Assam und Darjeeling.

Tee aus Indien Assam und Darjeeling
Tee aus Indien
Assam und Darjeeling

Die ersten wilden Teesträucher wurden aber in China gefunden. Es ist nicht genau bekannt, wann es das erste Teegetränk gab. Eine Legende aus China erzählt, dass ca. 2737 vor Christus ein Kaiser unter einem Baum saß und heißes Wasser trank. Als der Wind ein Blatt des Baumes in die Tasse wehte und das Wasser sich grün färbte – wurde der Tee erfunden. Der Baum war ein wilder Teebaum. Er wurde als Medizin und Stärkungsmittel zu Beginn des 3. Jahrhunderts vor Christus in China verabreicht. Von dort aus ist der Tee nach Japan gekommen: Japaner waren nach China gereist, um die Lehren Buddhas zu studieren. Als sie wieder nach Japan zurückkehren, waren unter anderem Teeblätter in ihrem Gepäck. In Japan entwickelte sich in den Zen-Klöstern die Teezeremonie. In Ureshino entstand die erste japanische Tee-Sorte. Erst im 17. Jahrhundert gelangte der Tee durch die niederländische Ostindien Kompanie nach Europa – Holland war in dieser Zeit der einzige Teeimporteur. Später kamen die Engländer (Britische Ostindien Kompanie) dazu, die ab 1669 selbst Tee importierten. Von England aus gelangte der Tee auch nach Amerika (Die Bosten Tea Party ist das bekannteste Ereignis). Und im 21. Jahrhundert habe ich die Qual der Wahl – wenn es um Tee geht.

Darjeeling Schwarztee getrocknete Teeblätter
Darjeeling Schwarztee
getrocknete Teeblätter

Zuhause angekommen probiere ich gleich einer der beiden Teesorten, die ich mir ausgesucht habe. Ich entschied mich für einen japanischen Grüntee mit Kirsche und einem afrikanischen Rooibushtee. Bei dem kalten Wetter ist eine schöne heiße Tasse Tee ein Segen. Für die Zubereitung des Rooibushtees benötige ich nicht viel – einen Wasserkocher, ein Teesieb und frisches Wasser. Die Ziehzeit liegt bei ca. 3 Minuten. Doch nicht jeder Tee lässt sich so einfach zubereiten. Frische oder getrocknete Teeblätter muss man mit sprudelnden kochenden Wasser übergießen, auch darf die Kanne keine Metallkanne sein, da sonst der Geschmack beeinträchtigt wird. Empfohlen wird auch, die Kanne vorher anzuwärmen. Eine zu lange Ziehzeit sorgt dafür, dass der Tee einen bitteren Nachgeschmack bekommt. Grüner Tee darf nur mit 70 bis 80°C heißen Wasser übergossen werden. Das Wasser wird aufgekocht und 10 Minuten abgekühlt. Er darf dann nur zwei Minuten ziehen. Die Teeblätter können auch für einen zweiten oder dritten Aufguss verwendet werden. Auch Schwarztee hat seine ganz spezielle Ziehzeit. Zwischen 1-3 Minuten macht er munter. Aber zwischen 3-5 Minuten verliert er seine anregende Wirkung. Allerdings ist er dann auch gesünder, da mehr Coffein durch andere Moleküle gebunden wird. Da ich mich für einen einfachen Rooibush-Tee entschieden habe, ist die Zubereitung meines Tee leichter und schneller. Aber wo wird der Tee eigentlich angebaut?

Gunpowder in englischen Teebeuteln der Firma Whittard
Gunpowder in englischen Teebeuteln der Firma Whittard

China und Indien sind die stärksten Länder in der Teeerzeugung. Laut Deutschen Teeverband hat China letztes Jahr rund 1.980.000 Tonnen Tee (also knapp 40% der Welt- Teeproduktion) erzeugt, Indien ist mit rund 1.184.800 Tonnen Tee im Jahr auf dem 2. Platz. Es folgen Kenia, Sri Lanka und Indonesien. Aber auch in der Türkei, Brasilien, Russland, Australien und andern Teilen Afrikas wird Tee angebaut. In China gibt es vor allem in den Bergregionen schwarze und grüne Tees. Die bekanntesten sind die Schwarztees Keemun und Lapsang Souchong und die Grüntees Matcha und Gunpowder. In Indien sind das Darjeeling – und das Assam-Teeanbaugebiet bekannt. Darjeeling (Stadt) und Assam (Bundesstaat) liegen an den Südhängen des Himalayas – im Nordosten von Indien. Die kostbarsten Darjeeling Tees haben im Gegensatz zu den kräftig-würzigen Assam-Tees, einen hellen Aufguss. In Japan wird grüner Tee und in Sri Lanka überwiegend schwarzer Tee angebaut.

Englischer Tee der Firma Whittard
Englischer Tee der Firma Whittard

Während ich meinen Tee wie immer mit etwas Zucker genieße, gibt es von Land zu Land andere Traditionen. Die Englische kommt mir dabei sofort in den Sinn, da ich sie selbst schon zelebriert habe. Die Britsh Tea Time ist immer um 17.00 Uhr. Oft wird dazu der Schwarztee Earl Grey serviert, der so lange in der Kanne bleibt, bis er immer stärker wird. Die Briten trinken den Tee fast ausschließlich mit Milch. Es gibt die Prinzipien Milk-in-first und Tea-in-first. Also die Frage, ob erst der Tee und dann die Milch oder umgekehrt eingeschenkt wird. Geschmacklich solle es keinen Unterschied geben. Es ist wohl eher eine Gewohnheitsfrage als eine Geschmacksfrage. Je nachdem in welcher Region von Groß Britannien man sich befindet, gibt es auch andere Serviermöglichkeiten. Ich selbst bevorzuge den südenglischen Cream Tea. Zu dem Tee wird Teebrot, sogenannte Scones, sowie Clotted Cream (Streichrahm) und Erdbeerkonfitüre serviert.

englische Teebeutel
englische Teebeutel

Heute ist Tee Massenware. Es gibt viele verschieden Aromen – meist chemisch. Die Regale sind voll mit Blütentraum, Sorgenfrei oder kleine Auszeit Tees. Doch was ist daran noch Tee? Sie riechen gut, schmecken lecker und auch ich greife auf diese Tees zurück, doch wenn wir ehrlich sind – richtiger Tee ist das nicht. Für den wirklichen Teegenuss sollte man doch auf die frischen oder getrockneten Teeblätter zurückgreifen. Es ist sogar viel einfacher als man denkt, denn Pfefferminze und Kamille, aus denen man Tee gewinnen kann, wachsen in jedem Garten. Auch diverse Früchte findet man in seiner Region. Schwarz – und Grüntee gibt es zu fairen Preise direkt aus den Erzeugerländern in Teefachgeschäften. Und warum nicht seine heimischen getrockneten Früchte mit schwarzen oder grünen Tee mischen? Ist garantiert chemiefrei. Und man hat seine eigene Auszeit kreiert. Da schmeckt der Tee doch besonders lecker. Jetzt hätte ich persönlich richtig Lust auf Cream Tea.

Dieses Feature entstand während meines VHS-Kurses „Journalistisches Schreiben II“.  Die Aufgabe war, ein Feature über ein von uns gewähltes Thema zu schreiben. Ich entschied mich für das Thema „Tee als Massenware“. Das Ergebnis konntet ihr gerade lesen. Mehr zum Thema Tee könnt ihr auf der Seite des Deutschen Teeverbandes nachlesen: http://www.teeverband.de/

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